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Mehr Gerechtigkeit durch die Abschaffung der Studiengebühren – Rote Blauäugigkeit

Dieses Semester war es soweit. Das erste Semester in NRW nach Abschaffung der Studiengebühren. Wie sehr haben sich viele Studenten, planlose linke Stimmungsmacher und unsere Landesregierung das gewünscht. Jedem Schulabgänger mit entsprechendem Abschluss soll die Möglichkeit eines Studiums offen stehen. Keine finanziellen Hürden. Die bösen Studiengebühren abgeschafft; die Gebühren die ach so vielen jungen Menschen die Perspektive genommen haben, weil sie sich das Studium einfach nicht leisten konnten.

Gut, genug Sarkasmus. Betrachten wir das ganze doch einmal nüchtern. Jetzt wo die Studiengebühren abgeschafft sind, platzen die Uni‘s aus allen Nähten oder begegnen dem enormen Ansturm damit, dass sie ihre Studiengänge mit absurden NC‘s belegen. So lag der Numerus Clausus an der Ruhr-Uni Bochum dieses Semester für BWL im hochschulinternen Auswahlverfahren bei 1,3. Für Mathematik auf Lehramt bei 1,4. Selbst für einen Studiengang wie Koreanistik lag der NC bei 2,2. Und so sieht es fast im ganzen Land aus. Zudem haben einige Uni‘s gezwungener Maßen deutlich mehr Studenten angenommen. Die Uni Köln z.B. 33% mehr. Wie dort jetzt die Hörsäle aussehen kann man sich lebhaft vorstellen. Hat man früher über einen Sitzplatz auf der Treppe gemeckert, ist man nun froh, wenn man einen ergattert.

Natürlich war das nicht abzusehen als man beschloss die Studiengebühren abzuschaffen. Wer konnte damals schon ahnen, dass 2011 in Niedersachsen schon einen Doppeljahrgang Abitur macht? Wer konnte zu der Zeit schon mit der Abschaffung der Wehrpflicht rechnen? Und das all das zu einer steigenden Studentenzahl führt ist ja nun vollkommen abwegig.

Ebenso wenig war es natürlich im Entferntesten möglich vorauszusehen, dass dem hochverschuldeten Land das Geld für die Hochschulen ausgeht. Hieß es nicht, dass der Wegfall der Studiengebühren keine finanziellen Nachteile für die Universitäten bedeuten würde? Nun, die rot-grüne Landesregierung weiß offensichtlich jetzt schon nichtmehr, woher sie das Geld nehmen soll. Vielleichten einfach mehr Schulden machen? Das ist doch die Patentlösung dieser Regierung und ein weiteres großzügiges Geschenk für die Zukunft.

Hinzu kommt, dass die Universitäten verpflichtet sind, für den Doppelabiturjahrgang in NRW mehr Studienplätze zur Verfügung zu stellen. Sie sollen dafür auch Landesmittel bekommen. Da aber offensichtlich jetzt schon massive Finanzprobleme da sind, weigern sich die ersten Uni‘s mehr Studienplätze einzurichten, solange kein Geld geflossen ist.

Wohin steuern wir also? Im übernächsten Frühjahr wird der Doppeljahrgang kommen. War dieses Semester vielleicht nur ein Vorgeschmack auf das, was uns bzw. den Schulabgängern dann blüht?

Ist die momentane Situation also das, was die Ministerpräsidentin unter „sozialer Gerechtigkeit“ versteht? Jeder soll studieren können? Ohne Studiengebühren wird alles leichter und vor allem gerechter? Es ist doch schon eine Frechheit hierbei von Gerechtigkeit zu sprechen. Für jemanden der ein Abitur mit 1,5 macht, bleibt ein BWL Studium unter Umständen nur ein Traum. Mit einer Abitur von 1,5, was bei weitem nicht schlecht und schon gar nicht leicht zu schaffen ist, keinen Studienplatz zu bekommen. Ist das Gerechtigkeit? 1000 Euro mehr im Jahr sind nicht der Rede wert, betrachtet man die sonstigen Kosten mit denen ein Studium verbunden ist. Aber mit einem top Abi keinen Studienplatz zu bekommen, das ist einfach nur ungeheuerlich. In die Zukunft denken sieht anders aus. Auch Schuldenberge entsprechen keinem zukunftsorientierten Denken.

Man kann hier nicht einmal mehr von kurzfristigem Denken sprechen, eher kann man der Landesregierung die Fähigkeit zu denken guten Gewissens absprechen.